Mittwoch, 15. Juni 2011

"Sag Dirk vielen Dank für alles!"

Von: volksfreund.de
Stell dir vor, der beste deutsche Basketballer ist drauf und dran, NBA-Champion zu werden, und du bist live vor Ort dabei. Marco Marzi aus Trier hat sich diesen Traum erfüllt - und zwar ziemlich spontan.
Trierer Marco Marzi

Einer von 20 000 – doch mit seinem Deutschland-Trikot ist der Trierer Marco Marzi in Miami schon aufgefallen. TV-Foto: Marco Marzi

 

Trier/Miami. Spiel fünf der NBA-Finalserie ist gerade vorbei, Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks haben Miami Heat mit 112:103 besiegt und führen in der Serie mit 3:2. Ein Sieg noch bis zum großen Triumph. Dort live dabei sein, statt mitten in der Nacht deutscher Zeit vor dem Fernseher zu hocken - das wär\'s.

Denkt sich der Trierer Marco Marzi kurz nach Spielende um 6 Uhr in der Früh am vergangenen Freitag. Davon werden mit halboffenen Augen vermutlich noch viele andere Basketball-Fans geträumt haben - um die Vorstellung schnell wieder als Schnapsidee abzutun.

Nicht so Marzi. Er spinnt die Idee einfach weiter und handelt schnell: Einreiseantrag - erledigt. Flug - gebucht. Finalticket - ergattert. Am Freitagvormittag, nur ein paar Stunden nach dem ersten Gedanken, steht fest: Der 33-Jährige wird am Pfingstsamstag nach Miami fliegen, um Dirk Nowitzki im wichtigsten Spiel seiner Karriere zu unterstützen.


Die größte Überraschung ist vielleicht, dass das Spiel nicht schon lange ausverkauft ist. "Denn damit habe ich schon gerechnet. Aber es werden immer Karten angeboten, die im Vorfeld als Optionen vergeben wurden", sagt Marzi. Und mehr noch: "Sogar an der Halle gab es vor dem Spiel noch Tickets."

Rund 20 000 Zuschauer verfolgen das sechste Finalspiel später, und mitten unter ihnen ein Trie rer im Deutschland-Trikot. Er wird vor allem von den Dallas-Anhängern mehr als freundlich aufgenommen: "Die Mavs-Fans neben meinem Platz haben bei jedem Korb mit mir abgeklatscht. Und am Ende haben wir zusammen gefeiert."

Es ist unglaublich laut in der Halle, alle Miami-Fans sind in Weiß gekleidet. Marzi hat schon viele Basketballspiele gesehen, aber das Finalspiel bezeichnet er als "echtes Event. Mit dem ganzen Programm dauert das Spiel gut drei Stunden, samt Cheerleadern, die T-Shirts werfen und sogar Pizza verteilen."

Eine große Portion Patriotismus gibt es in der Miami Arena natürlich inklusive: Mitglieder der US Army, die nach Auslandseinsätzen wieder zu Hause sind, schmettern vor Beginn des Spiels die US-Hymne. Es gibt für den leidenschaftlichen Basketball-Fan und Zweitliga-Schiedsrichter Marzi aber noch einige andere Gänsehaut-Momente, die er wohl nie wieder vergessen wird. Natürlich die letzten Sekunden des Spiels, als klar ist: Dirk Nowitzki hat sich endgültig unsterblich gemacht. Ein Höhepunkt ist aber auch, als Marzi nach dem Spiel draußen vor der Halle wartet und Clubbesitzer Mark Cuban mit dem Pokal zu den Fans kommt, damit sie ein kleines Stück vom Ruhm abbekommen. Marzi berührt nicht nur die Trophäe, sondern auch den Mann, der sie möglich gemacht hat. Nowitzki kommt als einer der letzten Spieler zu den kreischenden Fans und klatscht deren Hände ab.

Heute fliegt Marzi zurück nach Deutschland. Im Gepäck hat er nicht nur jede Menge unvergesslicher Erinnerungen, sondern hoffentlich auch ein Dallas-Trikot. Dafür hat er sich in Miamis Hitze schon die Hacken wundgelaufen, aber: "Das hier zu finden, ist gar nicht so einfach."


Nowitzki ist in aller Munde, und er ist unglaublich beliebt, auch "wegen der langen Zeit, die er jetzt ununterbrochen in Dallas ist", glaubt Marzi. Die Mavericks-Fans wissen, was sie an dem 2,13-Meter-Ausnahmetalent haben. Und sie hegen bisweilen lustige Vorstellungen über die Wahrscheinlichkeit, dem "German Wunderkind" hier in Deutschland zufällig über den Weg zu laufen: "Ein Fan sagte zu mir: ,Sag Dirk vielen Dank für alles!\'" Marzi muss lachen: "Mal gucken, ob das klappt ..."


 
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